Donnerstag, 19. November 2015

Immernass Projekte

Oft ist es nur eine Ausrede um sich vor dem Scheitern in seinem Projekt drücken zu können - manchmal aber sind die Projekte wirklich oft nass. Gefühlt mindestens 364 Tage im Jahr. Genau bei diesen Projekten heißt‘s im richtigen Moment stark zu sein und den Killerinstinkt zur richtigen Zeit zu wecken.
In Fontainebleau ließ ich ihn noch schlummern den Instinkt. Nur gemütliches Bouldern und versuchen auch die flachen Sachen ohne stundenlanges Projektieren zu schaffen.

Zurück daheim hieß es wieder den Strick in die Hand zu nehmen und die extreme Trockenphase zu nützen. Beiden Seilprojekte gingen schnell in die Knie also doch wieder zurück zum Mattenspringen.
Für November viel zu heiß, zu scharfe Griffe, zu langwierige Anfahrt, zu große Schlepperei mit den Matten – alles nur Jammerei auf hohen Niveau. Oft saß ich stundenlang allein im Wald, genoss die Herbststimmung und wartet bis die Kräfte zurückkehrten und ich den nächsten Versuch starten konnte. So erleichtert wie beim Austoppen dieses Boulders war ich schon lange nicht mehr. Nicht nur das letzte meiner Immernass-Projekte kassiert, sondern auch den dritten schweren Boulder dieses Jahr.
Der Winter, mit ihm Judith’s erste Skifotos, kann kommen und mit ihm hoffentlich auch die Bedingungen für die richtig harten Projekte.

Donnerstag, 29. Oktober 2015

Was ist besser als Wochenende? Ein langes Wochenende!

Und wo verbringt man so ein schönes, langes Wochenende am besten? Richtig - in den Bergen! Wie jedes Jahr im Herbst stand auch heuer wieder ein Hüttenwochenende an. Diesmal verschlug es uns auf die Postalm, wo wir 4 Tage in der wunderbar urigen Sulzaustube verbrachten.


Die erste überschüssige Energie wurde im Klettersteig verpulvert. Obwohl es keine richtig schweren Stellen gab, ließen die ausgesetzten Passagen und Balanceakte so manches Herz tiefer rutschen. Doch wer so gerne auf künstlichen Wegen und Stahlstiften herum turnt, der hat es nicht anders verdient... Schadenfreude ist manchmal schon was Schönes... ;-)

Am Samstag präsentierte sich der Herbst in seiner vollen Pracht und der Aufstieg auf den Braunedl war ein reiner Genuss. Eine lange Gipfelrast und ein Einkehrschwung auf der Postalm perfektionierten den Tag.


Am Sonntag galt es den Hausberg der Sulzaustube zu besteigen - den Rinnkogel. Vom Anfang bis zum Ende ging es schneidig bergauf sodass das Ziel bald erreicht war. Die felsigen Passagen vor dem Gipfel brachten noch eine schöne Abwechslung in den Aufstieg.


Das wunderbare Hüttenwochenende, an dem weder die Berge, die Sonne, die Gemütlichkeit, die kulinarischen Genüsse noch die lustige Gesellschaft zu kurz kamen, wurde durch einen Ausflug am letzten Tag aufs Wieslerhorn abgerundet.

Montag, 5. Oktober 2015

Bolivien II


Es hat jetzt doch ein bissl gedauert bis die flut an fotos durchforstet war, drum gibts den Abschlussbericht etwas verspätet. Nach der Bergwoche in der Condoririgroup gings mal mit Vollgastouriprogramm am Titicacasee und Peru weiter. In Cusco hat uns aber dann doch der enorme Preis von Machu Picchu abgeschreckt und wir entschieden uns für den Colca Canyon als Ersatzprogramm, der sich durchaus als sehenswert herausstellte.
Nach einer Marathonbusfahrt zurück nach La Paz hatten wir aber dann genug von Sightseeing und Bussitzen und wir mussten wieder in die Berge. Um die magische 6000er Grenze zu knacken entschieden wir uns zu erst für den Huyana Potosi. Der ist zwar mindestens genau so überlaufen wie der Glockner, aber trotzdem ein schöner Berg. Gegen Ende des Trips wurde leider das Wetter so instabil, dass weitere Unternehmungen flachgefallen sind. Als Alternative gings dann noch abwärts auf 1000 m ins Yunga Gebiet, mit tief eingeschnittenen Tälern und Jungel.

Wanderung auf der Isla del Sol
Nur mit diesem Sportprogramm wird der Schinken so zart!
 
Cusco von oben
Reisen ohne Selfiestick - heutzutage nichtmehr denkbar




Colca Canyon



20cm Neuschnee beim Zustieg sind nicht gerade fein - vor allem wenn alles nass ist im Zelt

Andrang beim Gipfelsturm

Sonnenaufgang auf 6000m

In La Paz kann man allerlei Verwünschungen durchführen lassen bzw. sie wieder entfernen lassen. Spenden an Pachamama (Mutter Erde) sind auch möglich :-)

Sonntag, 4. Oktober 2015

Watzmann-Überschreitung


Wenn ich einen Berg Tag für Tag vor Augen habe, so muss ich ihn einfach einmal besteigen. Auf dem Weg in die Arbeit fing der Watzmann oft meinen Blick ein – an manchen Tagen war er wolkenverhangen, an anderen strahlten seine Zacken in der Sonne und im Winter lockte er mit blendend weißen Spitzen. Doch jeden Tag dachte ich mir dasselbe: Da muss ich rauf. 
Anfang Oktober war es dann soweit. Raus aus der Arbeit – und schon ging es los. Wir starteten bei der Wimbachbrücke und erreichten am frühen Abend das Watzmannhaus. Nachdem wir eine Nacht im Freien einem Matratzenlager voller Schnarcher vorzogen, marschierten wir gleich weiter Richtung Hocheck. Da wir so gut voran kamen und noch keine Müdigkeit spürbar war, beschlossen wir, das Tageslicht auszunützen und so erreichten wir bei einfallender Dämmerung den ersten Gipfel. Dankbar, die Nacht doch nicht bei dem kalten Wind draußen verbringen zu müssen, richteten wir uns in der Biwakschachtel für die Nacht ein. 
 
Der Ausblick beim Frühstück über Königssee, Tennen- und Hagengebirge bis zum Dachstein inklusive Sonnenaufgang war unbeschreiblich. Der Weg über die Mittelspitze zur Südspitze war durchwegs spannend. Direkt am Grat entlang wanderten und kletterten wir voran, die felsige Umgebung und die atemberaubende Aussicht machten die Anstrengung mehr als wett. Überwältigt von all den Eindrücken erreichten wir die Südspitze – geschafft!!! 
 

Nach einer kleinen Rast ging es dann durch das Wimbachtal zurück zum Auto – landschaftlich zwar sehr schön zu gehen, aber auch ganz schön lang…

Dienstag, 15. September 2015

Weltalte Majestät


„Weltalte Majestät“, so nannte Ignaz von Kürsinger, der an der Erstbesteigung im Jahre 1841 maßgeblich beteiligt war, den Großvenediger. Und wirklich: Majestätisch ragt der Großvenediger als höchster Gipfel Salzburgs über die angrenzenden Berge und ein beeindruckender Gletscher liegt ihm zu Füßen.
Kein Wunder, dass dieser Berg als Ziel auserkoren wurde! Damit auch wirklich alle Beteiligten während dieser Tour glücklich sind, übernahm Happymover die Organisation und Führung. Man kann nur sagen: Er wurde seinem Namen gerecht! 
Der Aufstieg vom Obersulzbachtal auf die Kürsingerhütte war abwechslungsreich und bei weitem kein so schlimmer Hatscher wie erwartet. Den Nachmittag verbrachten wir gemütlich auf der Hütte – Apfelstrudel, Knotenkunde und Hüttenspiele inklusive. Bald lockten uns die Schlafsäcke, schließlich stand eine frühe Tagwache am Programm.
Um 04:30 Uhr starteten wir los und erreichten eine dreiviertel Stunde später den Gletscher. Von nun an ging es im Gänsemarsch voran, oder wie es Christoph formulierte: „Das Wort des Tages ist Seildisziplin!“ Während wir so durch den Schnee stapften, wurde es langsam heller, die Konturen der Bergkämme wurden schärfer und die zahlreichen Spalten erkennbar. 

Vor der Venedigerscharte stand uns die größte Herausforderung des Aufstiegs bevor: eine 12m breite Gletscherspalte, die zum Glück mit Leiter und Fixseil gesichert war. Problemlos konnten wir diese Stelle überwinden und nach einigen weiteren Steilstufen standen wir vollkommen glücklich im 08:45 Uhr am Gipfel in 3662m Höhe! Ganz ohne Andrang konnten wir das Panorama genießen, früh aufstehen lohnt sich eben doch manchmal.
Der Abstieg war nach diesem Erfolg schnell geschafft und nach einer Pause auf der Kürsingerhütte ging es zurück ins Tal, während dichte Wolken den Großvenediger umhüllten.
Nach diesem wunderbaren Wochenende bleibt nur noch eines zu sagen: Bald wieder mal!

Samstag, 5. September 2015

Am Zillertaler Hauptkamm

Die letzten echten Sommertage wollen wir nicht wieder schwitzend in der Hitze verbringen. So drängt es uns hinauf in luftige Höhen um bei dem stabilen Wetter noch den einen oder anderen Gipfel zu erklimmen.

Auf der Berliner Hütte im hintersten Zillertal richten wir uns ein. Traumhaftes Panorama auf die umliegenden Gipfel und Gletscher begleiten das Abendessen auf der denkmalgeschützten Hütte. So einen Speisesaal würde man wohl eher in einer mittelalterliche Burg als auf einer alpinen Hütte vermuten.

Unser erstes Ziel, die Zsigismondyspitze, stellt sich auch als echtes Gustostückerl dar: über kompakten, steilen Granit erklettern wir den Gipfel. Von dort können wir ungestört den gesamten Zillertaler Hauptkamm bewundern.

Da Tour #1 eigentlich recht unanstrengend war, lässt sich Judith auch noch auf ein zweites Abenteuer ein. Eine unschwierige Gletscherfahrt bringt uns auf den Schwarzenstein. Wieder bei Traumwetter.

Der Abstieg zur Hütte und weiter ins Tal war aber dann schon recht weit. Und was passiert ist, nachdem ich das frische Gletscherwasser getrunken hab, will ich hier gar nicht erst beschreiben...

Zustieg zur Zsigismondyspitze

Unser Ziel



Am Weg zum Schwarzenstein


Schwarzenstein in der Bildmitte

Freitag, 4. September 2015

Bolivien I

Ein erster Statusbericht aus Suedamerika... Nachdem die Akklimatisation in La Paz ganz gut verlaufen ist, mussten wir nach ein paar Tagen doch wieder raus aus der Stadt - also auf nach Uyuni. Ein Highlight war dabei, einmal aus dem Jeep auszusteigen und auf den (roten) Vorgipfel vom Vulkan Tunupa, immerhin knapp unser erster 5000er.



Am Rueckweg nach La Paz machten wir noch halt in Potosi. Die Lust aufs Bergsteigen war dann aber schon sehr gross und es ging gleich fuer laengere Zeit in die Condorriri Group. Der Cabeza de Condor - das Matterhorn von Bolivien - ist uns leider verwaehrt geblieben, weil das Wetter nicht mehr stabil war. Ausserdem stellte sich die Wegfindung in der Dunkelheit als sehr schwierig heraus - fuers naechste mal waer eine gscheite Stirnlampe sinnvoll...




Montag, 24. August 2015

Mutprobe

Mondseer zu werden ist gar nicht so leicht, wie manch einer vielleicht glaubt. Man kann natürlich einfach dem Gemeindeamt einen Besuch abstatten und seinen Hauptwohnsitz ummelden, ja, das kann (fast) jeder. Pflegt man allerdings gute Kontakte zur Mondseer Kletterszene, so wird man bald belehrt werden, dass so ein Meldezettel nicht viel zählt, wenn man nicht zumindest einmal die Drachenwand durchstiegen hat. Und nein, Klettersteig zählt nicht. Es gibt sogar Gerüchte, dass einem der Status als Mondseer offiziell aberkannt wird, sollte man die Drachenwandaufgabe nicht beizeiten bewältigen. Das wollte ich natürlich auf keinen Fall riskieren. So schnappte ich mir einen Hardmover als Ropegun, band ihn ans scharfe Ende des Seils und ließ ihn am "Zebra" losreiten. 
Nach der recht schönen, aber laaangen ersten Seillänge folgten viele Meter des Kämpfens, Fluchens und Mit-Dem-Schicksal-Haderns. Ist Mondseer zu werden diese Strapazen wert? Zum Glück erreichte ich den Stand, bevor ich diese Frage eindeutig beantworten konnte. Die nächste Seillänge versöhnte mich wieder mit der Kletterei - die Drachenwand ist doch nicht ganz so übel... Nachdem wir auch noch die letzte Seillänge gut hinter uns gebracht hatten, erreichten wir den Ausstieg - jupiduuu! Jetzt darf ich mich auch unter Kletterern als Mondseerin bezeichnen!


Samstag, 15. August 2015

Wiesbachhorn

Der anvisierte Wiesbachhorn Ersatztermin rückte nahe und somit wurde es ernst für die zwei frisch gebackenen Tourenführer - die Paradetour der AV Sektion Mondsee stand an! Ernst vor allem, da kurz nach Beginn des Aufstiegs von den Stauseen Kaprun zum Heinrich Schwaiger Hauses erste Grollgeräusche hörbar waren und leichter Regen einsetzte.

Gewitter im Anmarsch
Zum Glück verzogen sich die Gewitterfronten ins benachbarte Tal, sodass wir äußerst glimpflich davon kamen.


 Nach ausgiebigen Kartenstudien und maßvollem Genuss elektrolythaltiger Getränke beim Hüttenabend, war die Vorbereitung für den Gipfeltag nahezu optimal. Die Nachtstunden im Lager waren glücklicherweise ohne größere Geräuschbelästigungen, jedoch störte die Höhe des Schlafplatzes trotzdem den unterbrechungsfreien Schlaf manch eines Teilnehmers.

gefürchtete Schlüsselstelle

wo is do da firngrat? :)
Der Aufstieg am Folgetag gestaltete sich sehr kurzweilig, vermutlich sogar zu kurzweilig, da die Hitzetage dem Kaindlgrat des Schnees grob beraubten. Somit war ein gemütliches Wandern neben dem Firngrat möglich und der Gipfel konnte ohne größere Schwierigkeiten erreicht werden.

AV Sektion Mannsee am Gipfi WBH 3564 m
Um die Gletscherausrüstung nicht der Zierde wegen mitgeschleppt zu haben, wurde noch ein Abstecher zum Gletscher gemacht, wo diverse Techniken trainiert wurden. Somit war die Hochtour endgültig der Bringer und die Klimawandelbedingte Enttäuschung des Grates war vergessen.

Ein Dank den Tourenführern und der Gruppe für diese gelungene Premiere!



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Die Tourenführer nehmen ab sofort Vorschläge für das nächste Jahr entgegen. Da sich diese auf die Ostalpen beschränken sollten, ist netsomovers Wahl fix (Hinweis: legendärer Grat inklusive!). Eventuell notwendige Maßnahmen zu einer erfolgreichen Gipfelbesteigung werden in Kauf genommen, sodass sogar die langjährige Weigerung des Griff und Tritte suchens mittlerweile überdacht wird. Auch die Seilkunde soll intensiviert werden - der nächste Segeltörn soll dem beim Klettern hilfreiche Knoten liefern und die Hoffnung besteht, dass das Autodiktat so minimiert werden kann.